IR-Center [zurück zur Startseite]

Hannover Rück SE

News Detail

DGAP-News News vom 14.09.2020

Hannover Rück rechnet mit deutlichen Preissteigerungen in der Schaden-Rückversicherung

DGAP-News: Hannover Rück SE / Schlagwort(e): Sonstiges
14.09.2020 / 07:30
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.

Unternehmensmeldung

Hannover Rück rechnet mit deutlichen Preissteigerungen in der Schaden-Rückversicherung

  • Niedrigzinsumfeld, Großschäden und Covid-19-Pandemie belasten Erst- und Rückversicherer
  • Steigende Nachfrage nach Deckung durch finanzstarke Rückversicherer
  • Marktumfeld stützt bereits erkennbare Trendwende zu steigenden Preisen
  • Hannover Rück sieht profitable Wachstumschancen auf breiter Ebene


Hannover, 14. September 2020: Die Hannover Rück rechnet mit spartenübergreifenden, deutlichen Preissteigerungen in der Schaden-Rückversicherung in der Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2021. Grund dafür sind die Belastungen für Erst- und Rückversicherer, die sich aus der Covid-19-Pandemie, aus den abermals zurückgegangenen, niedrigen Zinsen sowie den Großschäden der vergangenen drei Jahre ergeben.

"Unser Mitgefühl gilt allen, die Angehörige und Freunde durch das Virus verloren haben oder anderweitig dadurch betroffen sind", sagte Jean-Jacques Henchoz, der Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück. "Wir stehen an der Seite unserer Kunden und legen Wert auf kontinuierliche, partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen. Unser Geschäftsmodell und unsere Kapitalausstattung sind auf die Bewältigung von Extremszenarien ausgelegt. Die niedrigen Zinsen werden uns noch lange Zeit begleiten. Dies erfordert eine hohe Disziplin bei der Preisfindung, da die Profitabilität der Versicherungstechnik Rückgänge aus den Kapitalanlageerträgen noch stärker ausgleichen muss. Deshalb sind Preiserhöhungen auf der Erst- und Rückversicherungsseite im Januar und darüber hinaus unumgänglich."

Neben einer generell höheren Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Rückversicherungsschutz fragen Erstversicherer auch vermehrt maßgeschneiderte Lösungen zur Solvenzentlastung nach. Hier kommen vor allem Rückversicherer mit besonders großer Risikotragfähigkeit und überdurchschnittlichem Rating zum Zuge.

Bei den zurückliegenden Erneuerungsrunden des Jahres 2020 hat die Hannover Rück teils Konditionsverbesserungen und Preissteigerungen erreicht. Insbesondere bei schadenbetroffenen Verträgen waren Preissteigerungen im überwiegend zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen. Allerdings sind auch diese aufgrund der niedrigen Zinsen nicht immer technisch ausreichend, sodass weitere Preiserhöhungen notwendig sind.
Die Covid-19-Pandemie wirkt sich in unterschiedlichem regionalen Ausmaß auf die weltweiten Rückversicherungsmärkte aus. Bis dato sind die größten Schäden aus Deckungen von Betriebsunterbrechungen, Warenkrediten und Veranstaltungsausfällen zu erwarten, wobei die Bandbreite der möglichen Szenarien weiterhin zu groß für konkrete Prognosen ist. Zudem gelten viele staatliche Hilfsprogramme nur für einen begrenzten Zeitraum. Vor diesem Hintergrund hat das Risikobewusstsein der Erstversicherer und damit der Wert von qualitativ hochwertigem Risikoschutz in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen.

Im Einzelnen erwartet die Hannover Rück für die Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2021 folgende Entwicklungen:

Europa
Das Geschäft in Deutschland war im Verlauf des Jahres deutlich von Covid-19 mitbestimmt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Betrieb vieler Unternehmen sind vor allem im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zu spüren. Hier sind deutliche Schadenbelastungen in der Betriebsschließungsversicherung festzustellen. Dies gilt, wenn auch bisher weniger stark ausgeprägt, ebenfalls für den Bereich der Veranstaltungsausfallversicherung.

Für das Jahr 2021 rechnet die Hannover Rück im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit einem deutlich geringeren Wachstum im Erstversicherungsmarkt. Der pandemiebedingte Konjunktureinbruch wirkt sich dabei insbesondere im KMU-Segment aus. Die Einflüsse auf das Privatkundengeschäft sollten dagegen eher begrenzt sein.

Der Sanierungsbedarf in der Sachsparte in Gewerbe und Industrie verschärft sich durch die Schadenbelastung weiter. Eine Verbesserung der Rückversicherungskonditionen wird insbesondere bei schadenbelasteten Programmen erwartet.

Die Folgen einer Pandemie, die ein systemisches Risiko darstellt, können insgesamt nur sehr eingeschränkt von der Versicherungswirtschaft getragen werden. Entsprechend erfolgen sowohl im Erstversicherungsmarkt als auch im Rückversicherungsmarkt Klarstellungen oder Ausschlüsse in Bezug auf die Deckung im Pandemiefall.

In der Kraftfahrtversicherung zeichnet sich für das laufende Jahr eine Entlastung durch das zeitweise reduzierte Verkehrsaufkommen und entsprechend geringere Schäden ab. Da dies eher ein Einmaleffekt sein wird und für 2021 eine normalisierte Schadenbelastung mit unverändert steigenden Ersatzteil- und Reparaturkosten wahrscheinlich ist, haben Erst- und Rückversicherer kaum Spielraum für weitere Konditionsverbesserungen.

In Großbritannien und Irland ist bei Erstversicherern eine deutliche Marktverhärtung zu beobachten.
Lloyd's of London verfolgt für ausgewählte Sparten sowie für Syndikate, die nicht profitable Ergebnisse ausweisen, weiterhin einen restriktiveren Ansatz. Dies wiederum führte zu einer fortgeführten Verknappung des Angebots. Insbesondere der Markt für Ausfalldeckungen (Contingency) ist durch signifikante Ratensteigerungen trotz Pandemie-Ausschlüssen gekennzeichnet. Unter anderem getrieben durch die Unsicherheit hinsichtlich des Ausmaßes von Covid-19 Schäden verzeichnet das Haftpflichtgeschäft ebenso deutliche Preisreaktionen und eine Verbesserung der Bedingungen. Internationales Sachgeschäft der Lloyd's-Syndikate hat bereits in den vergangenen Jahren aufgrund der weltweiten Schäden aus Naturgefahren Preissteigerungen erfahren. Dieser Trend setzt sich fort und wird auch durch momentane Fragen in Bezug auf die Deckung von Covid-19-Schäden als Folge von Betriebsunterbrechung ohne zugehörigen Sachschaden getrieben.

Diese originalseitigen Veränderungen bilden sich analog und teilweise noch betonter im nichtproportionalen Rückversicherungsbuch der Hannover Rück ab.

Das britische Motor-Geschäft, welches die Hannover Rück nichtproportional zeichnet, verzeichnete deutliche Preisanstiege. Hier hat die letztjährig vorgenommene Anpassung der Ogden-Raten, welche unterhalb der Erwartungen von Erst- und Rückversicherern lag, Korrekturen ausgelöst. Auch für das kommende Jahr sind deutliche Preisanstiege für das britische Motor-Geschäft zu erwarten.

Aufgrund ihrer guten Geschäftsbeziehungen mit langjährigen Kunden kann die Hannover Rück ihre Marktposition verteidigen und trifft auf eine sehr gute Nachfrage.

In Frankreich sind im Erstversicherungsgeschäft Preissteigerungen zu erwarten. Grund dafür sind unter anderem die weiter rückläufigen Erträge aus den Kapitalanlagen sowie die anhaltende Schadenbelastung. Gleichzeitig unterstützt auch eine steigende Nachfrage nach Industrieversicherungsdeckungen. Dies sollte sich auch positiv auf die Entwicklung der Rückversicherungspreise auswirken, zumal hier auch die Großschäden der vergangenen Jahre durch unter den Erwartungen liegende Abwicklungsergebnisse belasten.

In den Märkten Zentral- und Osteuropas hat die Covid-19-Pandemie wie in vielen anderen Regionen auch die ohnehin herausfordernde wirtschaftliche Lage zusätzlich negativ beeinflusst, auch wenn aus dieser Region mit keinen oder nur geringen Covid-19-Schäden zu rechnen ist. Preiserhöhungen sind bei schadenbelasteten Verträgen und bei nicht-risikoadäquaten Programmen zu erwarten. Mittel- bis langfristig rechnet die Hannover Rück mit einer Erholung der Wirtschaft und höheren Wachstumsraten im Erstversicherungsgeschäft, um die Versorgungslücke zu schließen.

Nordamerika
Der Erstversicherungsmarkt in Nordamerika entwickelt sich, trotz der Unwägbarkeiten durch Covid-19 und den daraus resultierenden ökonomischen Einschränkungen, weiterhin positiv. Alle Sparten weisen deutliche Ratensteigerungen auf, mit Ausnahme der Arbeiterunfallversicherung (Workers' Compensation). Tornados, Hagelunwetter und Hurrikane haben im Jahresverlauf zu einer relativ hohen Anzahl von Schäden geführt. Nach den Feuerschäden in Kalifornien der vergangenen Jahre werden damit weitere Gebiete in Nordamerika Raten- und Konditionsanpassungen erfahren.

Die mit der Covid-19-Krise einhergehenden Herausforderungen hinsichtlich Deckungsumfang und Schadenpotential aus verschiedenen Sparten haben bei vielen Erstversicherungskunden den Blick auf die Finanzstärke ihrer Rückversicherungspartner gelenkt. Es ist ein klarer Fokus auf eine herausragende Kapitalausstattung und langfristige Rückversicherungsbeziehungen zu beobachten. Sowohl in den Sach-, als auch in den Haftpflichtsparten sind deutliche Preissteigerungen oder präzisierte Deckungseinschränkungen die Regel.

Lateinamerika
Der Wachstumstrend bei der Nachfrage von Erstversicherungsdeckungen der Länder Zentral- und Südamerikas wird sich auch vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie fortsetzen. In Folge der Gefahren aus Naturkatastrophen und sozialen Unruhen steigt in Lateinamerika die Nachfrage nach hochwertigem Risikoschutz. Das unterliegende Wachstum in einigen Ländern kombiniert mit dem Rückzug anderer Marktteilnehmer führt aktuell zu einer Verhärtung der Erst- und Rückversicherungskonditionen.

Die einzelnen Länder Lateinamerikas zeigen eine auch weiterhin stark zunehmende Nachfrage nach Versicherungen, vor allem in den Bereichen rund um die Deckung von Kraftfahrzeugen, Produktionsanlagen und Immobilien.

Ebenfalls verzeichnet die Hannover Rück ein unverändert starkes Interesse an der Entwicklung von Deckungskonzepten auf der Basis von parametrischen Indizes. Jüngst wurde beispielsweise in Partnerschaft mit Global Parametrics die Deckung von Korallenriffen in Mexiko begleitet. Parametrische Deckungen eignen sich insbesondere für Länder mit einer geringen Versicherungsdichte. Regierungen können mit Hilfe dieser Lösungen den Katastrophenschutz für ihre Bevölkerung verbessern.

Asiatisch-pazifischer Raum
Die Region Asien-Pazifik ist die wachstumsstärkste Wirtschaftsregion der Welt und entwickelt sich zu einem der größten Versicherungsmärkte weltweit. Dieses Wachstum birgt weitere signifikante Geschäftschancen, auch da die Versicherungsdichte noch immer geringer ist als in den weiter entwickelten Märkten. So ist sowohl in der Schaden-Rückversicherung als auch im Bereich Gesundheit und Vorsorge mittel- und langfristig von deutlichen Zuwachsraten auszugehen, wovon auch Rückversicherer profitieren werden.

Die Hannover Rück hat ihre Präsenz in der Region in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und verfügt heute über ein effizientes Netzwerk aus lokalen Tochtergesellschaften, Niederlassungen und Repräsentanzen. So ist sie bereits heute sehr gut positioniert, um Geschäftschancen wahrzunehmen und ihre Marktstellung durch punktuelle Maßnahmen in Teilsegmenten weiter auszubauen und zu verstärken.

Die Hannover Rück unterstützt ihre Kunden in dieser Wachstumsregion bei ihrer Entwicklung und den Herausforderungen der nächsten Jahre durch kapitalstützende Konzepte oder auch die Optimierung von Distribution und Ausgestaltung ihrer Produkte. Auch im Zuge einer zunehmenden Städteverdichtung in den Ballungszentren Asiens gilt es, geeignete Versicherungslösungen als Schutz vor Naturkatastrophen zu konzipieren und die Versicherungsdichte weiter zu erhöhen. Die Verringerung von Deckungslücken bietet Chancen für Erst- und Rückversicherer, ihre gesellschaftliche Relevanz zu unterstreichen.

Darüber hinaus hat die Hannover Rück eine strategische Initiative gestartet, um das Wachstumspotenzial ihres Geschäfts in der Region Asien-Pazifik noch stärker auszuschöpfen.

Für die anstehenden Erneuerungsrunden zum 1. Januar 2021 und 1. April 2021 in der Region Asien-Pazifik ist die Hannover Rück optimistisch, wenngleich sich die Preisveränderungen regionsabhängig je nach Schadenlast uneinheitlich gestalten sollten. Als Unsicherheitsfaktor sind hier die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu berücksichtigen.

Naturkatastrophengeschäft
In den Jahren 2017 bis 2019, und damit drei Jahre in Folge, hat der Rückversicherungsmarkt große Verluste durch Naturkatastrophen erlitten. Dies hat sich sowohl auf traditionelle Rückversicherer als auch auf Akteure des ILS-Markts ausgewirkt. Obwohl in der ersten Hälfte des Jahres 2020 keine Großschäden aus Naturkatastrophen zu verzeichnen waren, stellen die globalen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie den bereits unter Druck geratenen Rückversicherungsmarkt vor weitere Herausforderungen. In Bezug auf das Sachkatastrophengeschäft hat dies bei allen Erneuerungsrunden des Jahres 2020 zu einem insgesamt günstigen Marktumfeld für Rückversicherer geführt. Die Preisdynamik war besonders ausgeprägt in Gebieten und Programmen, die in letzter Zeit erhebliche Verluste erlitten hatten, wie die USA, Japan und die Karibik.

Unter der Annahme, dass es keine weiteren marktverändernden Ereignisse gibt, erwartet die Hannover Rück für das Jahr 2021 folgende Entwicklungen in den einzelnen Märkten für Naturkatastrophenrisiken:

Nordamerika: Insgesamt haben die Raten für das US-Sachkatastrophengeschäft ein zufriedenstellendes Niveau erreicht. Da die USA jedoch für die meisten Rückversicherer ein Schwerpunktmarkt sind, erwartet die Hannover Rück einen anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Raten, insbesondere bei schadenbelasteten Programmen. Die Kombination aus Schäden und eingeschränkter Kapazitäten führte den Markt insgesamt 2019 an einen Preiswendepunkt. Für 2021 wird ein weiter verbessertes Umfeld erwartet.

Europa: Im laufenden Jahr 2020 verzeichnete die Hannover Rück stabile Raten und in einigen Fällen eine verbesserte Preisgestaltung. Da auch Europa derzeit im Mittelpunkt der Auswirkungen von Covid-19 auf den Erst- und Rückversicherungsmarkt steht, ist für 2021 eine materielle Verhärtung zu erwarten. Dies gilt insbesondere für die Programme, die erhebliche Schäden durch die Pandemie zu verzeichnen haben.

Japan: Nach den schweren Taifunen der Jahre 2018 und 2019 konnte die Hannover Rück bei den Erneuerungen zum 1. April bereits signifikante Preissteigerungen für japanische Rückversicherungsprogramme für Wind- und Hochwasserkatastrophen erzielen. Die großen Rückversicherer haben die jüngsten Ereignisse genutzt, um ihre Risikomodelle und damit ihre Einschätzung des japanischen Taifunrisikos und ihre Exponierungen zu adjustieren. Dies wird im Jahr 2021 voraussichtlich zu weiteren deutlichen Preiserhöhungen führen und dazu beitragen, eine technische Angemessenheit zu erreichen, die die Grundlage für die langfristige Unterstützung dieses Marktes durch die Rückversicherer darstellt.

Australien/Neuseeland: Aufgrund signifikanter und wiederholter Frequenzschäden in Australien in den vergangenen Jahren bestand eine erhebliche Notwendigkeit, im Jahr 2020 risikoadäquate Preise zu erzielen um Konditionsverbesserungen, insbesondere für Aggregatdeckungen und niedrige Haftungsabschnitte, zu erreichen. Für 2021 erwartet die Hannover Rück, dass sich dieser Trend für alle Naturkatastrophendeckungen fortsetzt.

Spezialgeschäft
Die Aktivitäten im globalen Luftfahrtsektor sind deutlich durch Covid-19 beeinträchtigt, was sich etwa in einem signifikanten Einbruch der Passagierzahlen ausdrückt. Diese Entwicklungen wirken sich auch auf den dazugehörigen Versicherungsmarkt aus. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass ein Teil des Prämienrückgangs dadurch kompensiert wird, dass sich der bereits in den Vorjahren beobachtete Trend der Ratensteigerungen unverändert fortgesetzt und in Teilen sogar noch verstärkt hat.

Der Hannover Rück ist es gelungen, die Vertragskonditionen bei proportionalem Geschäft durchweg zu ihren Gunsten zu verbessern und die Prämien für nicht-proportionale Rückversicherungslösungen deutlich zu erhöhen. Trotz dieser guten Entwicklung ist hierbei allerdings zu berücksichtigen, dass sich der Rückversicherungsmarkt erst am Beginn einer Korrekturphase befindet, weshalb die Hannover Rück unverändert an ihrem disziplinierten und auf Langfristigkeit ausgerichteten Zeichnungsansatz festhält.

Der Transportmarkt war im Jahr 2019 von einer größeren Anzahl von Frequenzschäden betroffen. Auch als Folge der schlechten Ergebnisse der Vorjahre führte diese Entwicklung zu einer weiteren Notwendigkeit der Versicherer, Preise zu erhöhen. Beschleunigt wurde diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2020 durch Covid-19-Einflüsse.

In den unterjährigen Erneuerungen des Jahres machte sich bereits eine spürbare Verhärtung im Rückversicherungsmarkt bemerkbar.

Die Raten in der Meerestechnik-Sparte bleiben sowohl auf der Erst- als auch auf der Rückversicherungsseite stabil. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Fördermengen, bedingt durch weniger Flug- und Schiffsverkehr im Zuge der Covid-19-Krise, sowie dank ausbleibender Großschadenereignisse, erwähnenswert. Die Hannover Rück beobachtet ein gestiegenes Interesse ihrer Kunden, sich verstärkt in Versicherungslösungen für alternative Energieproduktion (Renewable Energies) zu engagieren und spezifische Rückversicherungsdeckungen dafür zu erwerben.

Für die Vertragserneuerungsrunde 2021 werden stabile Rückversicherungsbedingungen sowie ein verbessertes Preisgefüge erwartet.

In der Kredit- und Kautionsversicherung sowie im Bereich der politischen Risiken sind bisher trotz der weltweiten Rezession im Vergleich zu den Vorjahren nur leicht ansteigende Schadenquoten zu verzeichnen. In den kommenden Monaten ist aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage jedoch mit einem Anstieg der Schadenbelastung zu rechnen. Angesichts dessen sollten die Preise in der Erst- und Rückversicherung deutlich steigen.

In der landwirtschaftlichen Versicherung führt der zunehmende Bedarf an Agrarrohstoffen und Nahrungsmitteln sowie die Zunahme von extremen Wetterereignissen insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern zu einer weiter steigenden Nachfrage nach entsprechenden Rückversicherungslösungen. Die Hannover Rück engagiert sich hier sowohl in der klassischen Rückversicherung als auch in verstärkter Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern bei der Entwicklung neuer Versicherungsinstrumente. Wachstumspotenzial bieten indexbasierte Produkte und parametrische Deckungen oder auch öffentlich-private Partnerschaften.

Der Markt für Insurance-Linked Securities (ILS) ist in den letzten zwei Jahren um etwa 10 % auf ein Volumen von jetzt rund 90 Mrd. USD zurückgegangen. Unzufriedenheit mit den Ergebnissen und Gelder, die für mögliche negative Schadenabwicklungen einbehalten sind (trapped collateral), und daher zumindest temporär nicht für neue Investitionen zur Verfügung stehen, begründen diesen Rückgang. Wie auch in der Rückversicherung verbessern sich die Konditionen und es ist mittelfristig das Erreichen neuer Höchststände zu erwarten.

Die Hannover Rück nutzt den ILS-Markt sowohl für den Schutz ihrer eigenen Katastrophenrisiken als auch dazu, Personen- und Sachversicherungsrisiken für ihre Kunden in den Kapitalmarkt zu transferieren. Dies geschieht vorrangig durch besicherte Rückversicherung (Collateralised Reinsurance), dem unverändert größten Geschäftssegment im ILS-Bereich der Hannover Rück, aber auch durch Katastrophenanleihen.

So hat die Hannover Rück im Jahr 2020 bisher fünf Katastrophenanleihen für amerikanische Kunden im Gesamtvolumen von rund 1,2 Mrd. USD in den Kapitalmarkt begleitet. In den nächsten Jahren sollte die Nachfrage insgesamt moderat steigen. Darüber hinaus investiert die Hannover Rück selbst in Katastrophenanleihen und nutzt somit alle Möglichkeiten des ILS-Markts.

Im Bereich Strukturierte Rückversicherung entwickelt sich das Geschäft im laufenden Jahr weiterhin entsprechend den Erwartungen. Auch für die Zukunft rechnet die Hannover Rück mit einer weiter steigenden Nachfrage nach innovativen und maßgeschneiderten Rückversicherungslösungen.

Neugeschäftschancen zeichnen sich dabei vor allem in Nordamerika, Europa und Asien ab. Das Kaufverhalten vieler Kunden hat sich in den letzten Jahren geändert, hin zu ganzheitlichen Rückversicherungslösungen. Dieser Trend hält an, sodass immer mehr Kunden strukturierte Rückversicherungslösungen nachfragen. Die außerordentlichen Marktbedingungen aufgrund der Covid-19-Pandemie begünstigen in diesem Segment nahezu global die weitere Verschiebung in Richtung eines Anbietermarktes.

Die geplante Einführung von IFRS 17 wird die Nachfrage nach maßgeschneiderten Rückversicherungslösungen tendenziell erhöhen, getrieben durch die weiterhin zunehmende Komplexität des Kapital- und Risikomanagements der Kunden.

Ausblick
Das Jahr 2020 ist für Erst- und Rückversicherer von der anhaltenden Covid-19-Pandemie und den damit einhergehenden Belastungen sowie von den anhaltend niedrigen Zinsen und den daraus resultierenden Ergebnisbelastungen geprägt. Damit rückt sowohl auf der Erst- als auch auf der Rückversicherungsseite die Profitabilität der Versicherungstechnik nachhaltig in den Vordergrund, auch um die zukünftige Risikotragfähigkeit der Branche zu erhalten. Im Zuge dessen sind Ratenerhöhungen unumgänglich.

"Covid-19 ist aus unserer Sicht ein ähnlich marktveränderndes Ereignis wie die Terroranschläge des 11. September 2001 oder die Hurrikane Katrina, Rita und Wilma im Jahr 2005", sagte Sven Althoff, im Vorstand der Hannover Rück zuständig für die Schaden-Rückversicherung. "Das wahre Ausmaß der durch die Pandemie entstandenen Schäden wird erst langfristig erkennbar sein. Wir sehen die Covid-19-Pandemie als Katalysator für fundamentale Preis- und Konditionsanpassungen bei Erst- und Rückversicherern. Die Ausprägungen werden allerdings je nach Region und Sparte unterschiedlich sein."

Die Hannover Rück erwartet, dass sich die zunehmende Dynamik von Preiserhöhungen der zurückliegenden Vertragserneuerungsrunden auch im kommenden Jahr fortsetzt. Zum 1. Januar 2021 ist von segmentübergreifend deutlich steigenden Preisen auszugehen. Ebenso sind spürbare Verbesserungen der Konditionen aufgrund der Auswirkungen der Pandemie und der damit einhergehenden hohen Unsicherheiten zu erwarten.

"Wir sind durch die Covid-19-Pandemie mit einem systemischen, weltweiten Risiko konfrontiert. Ein solches Kumulrisiko kann die Versicherungswirtschaft schon aufgrund ihrer Kapitalausstattung nicht alleine schultern", sagte Jean-Jacques Henchoz. "Es braucht partnerschaftliche Ansätze zwischen Staaten und Versicherungswirtschaft, um erfolgversprechende Lösungen zur Deckung systemischer Risiken beispielsweise aus Cyberangriffen oder Pandemien zu schaffen. Wir sehen uns bestens positioniert, die Entwicklung und Umsetzung solcher Deckungskonzepte zu begleiten und damit dafür zu sorgen, dass die Kosten aus künftigen Pandemien zu entsprechend risikoadäquaten Prämien zu einem höheren Anteil gedeckt sind."

In Folge der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hat das digitale Arbeiten an Akzeptanz und Bedeutung gewonnen. Entsprechend werden sich auch Cyberdeckungen, digitale Dienstleistungen und Produkte weiter durchsetzen und innovative Insurtechs einen Nachfrageschub verzeichnen. Die Hannover Rück setzt dabei auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der Entwicklung von digitalen Lösungen zusammen mit ihren Kunden sowie auf die Unterstützung von Insurtechs mit Know-how und Rückversicherungsdeckung.

Im zweiten Halbjahr kam es zu einer Reihe von Großschäden. Die schwere Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut Anfang August hat viele Todesopfer gefordert und zu schweren Verwüstungen geführt. Zusammen mit Schäden aus Naturkatastrophen in den USA und Asien dürften die Großschäden des dritten Quartals (ohne Berücksichtigung von Covid-19) im Rahmen der Erwartungen liegen.

Aufgrund der anhaltend hohen Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie und die Wirkmechanismen staatlicher Stützungsmaßnahmen sind Gewinnprognosen für den Konzern noch nicht seriös zu treffen. Auch ist es nach wie vor nicht möglich, die konkreten Auswirkungen der Pandemie auf die Rückversicherungsmärkte und Kapitalanlagen präzise zu beziffern. Die Hannover Rück führt die entsprechenden Szenario-Berechnungen im Rahmen des Risikomanagements laufend durch und wird wieder Ergebnisziele nennen, sobald die zugrundeliegenden Wahrscheinlichkeiten belastbar genug sind.

Die Hannover Rück ist als verlässlicher und langfristig orientierter Rückversicherer Partner ihrer Kunden. Der konsistente Geschäftsansatz und die Kapitalstärke der Hannover Rück bieten in der gegenwärtigen Marktsituation Möglichkeiten für profitables Wachstum und den weiteren Ausbau der Geschäftsbeziehungen. Die breite Produktpalette, die Bereitschaft, neue digitale Lösungsansätze zu unterstützen und die Kundenorientierung werden auch in der nächsten Zeit für zunehmende Geschäftschancen sorgen.
 

Die Hannover Rück ist mit einem Bruttoprämienvolumen von mehr als 22 Mrd. EUR der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Sie betreibt alle Sparten der Schaden- und Personen-Rückversicherung und ist mit mehr als 3.000 Mitarbeitern auf allen Kontinenten vertreten. Gegründet 1966, umfasst der Hannover Rück-Konzern heute mehr als 150 Tochtergesellschaften, Niederlassungen und Repräsentanzen weltweit. Das Deutschland-Geschäft wird von der Tochtergesellschaft E+S Rück betrieben. Die für die Versicherungswirtschaft wichtigen Ratingagenturen haben sowohl Hannover Rück als auch E+S Rück sehr gute Finanzkraft-Bewertungen zuerkannt: Standard & Poor's AA- "Very Strong" und A.M. Best A+ "Superior".

Bitte beachten Sie den Haftungshinweis unter:
https://www.hannover-rueck.de/535878


Kontakt

Corporate Communications:
Karl Steinle
Tel. +49 511 5604-1500
karl.steinle@hannover-re.com

Media Relations:
Oliver Süß
Tel. +49 511 5604-1502
oliver.suess@hannover-re.com

Investor Relations:
Julia Hartmann
Tel. +49 511 5604-1529
julia.hartmann@hannover-re.com

www.hannover-rueck.de



14.09.2020 Veröffentlichung einer Corporate News/Finanznachricht, übermittelt durch DGAP - ein Service der EQS Group AG.
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.

Die DGAP Distributionsservices umfassen gesetzliche Meldepflichten, Corporate News/Finanznachrichten und Pressemitteilungen.
Medienarchiv unter http://www.dgap.de



show this
Diese Inhalte werden Ihnen präsentiert von unserem Kooperationspartner